Freizeit- und Sport-Tipps für Schlaganfall-Betroffene
Trotz des Schlaganfalls ein spannendes und interessantes Leben zu führen, liegt auch in der Hand der Betroffenen. Resignation und "die Flinte ins Korn werfen" hilft da nicht weiter. Stattdessen sollten Schlaganfall-Betroffene regelmäßig über den eigenen Schatten springen und die Komfortzone verlassen. Um ein erfülltes Leben zu führen ist es wichtig, sich in seiner Freizeit mit etwas Sinnvollem beschäftigen zu können, beispielsweise mit Sport.
Der Schlaganfall macht eine Neuorientierung notwendig
Die Erfahrung hat gezeigt, dass man bei der Neuorientierung Geduld haben sollte. So ist es dem bekannten Jazzpianisten Oscar Petersen, der mit 68 Jahren einen Schlaganfall hatte, gelungen, sechs Jahre später sein Comeback zu feiern. Seine Liebe zum Klavierspielen war so groß, dass er direkt nach dem Ereignis nicht auf die negativen Prognosen hörte, sondern, statt das Klavier zu verkaufen täglich übte. Es störte ihn zudem nicht, dass seine betroffene Hand nicht wieder voll funktionsfähig war. Er suchte sich Stücke aus, bei denen seine Einschränkung keine Rolle spielte.
Dass es kein Zurück ins "alte" Leben mehr geben wird, sollte Ausgangspunkt der Neuorientierung sein. Wir möchten Ihnen zeigen, dass das die Voraussetzungen hier und jetzt trotzdem eine breite Basis bieten, um ein erfülltes Leben zu genießen.
Positives Bewältigungsverhalten erlernen
Da die Situation nach dem Schlaganfall häufig schwierig ist, gilt es, eine individuelle Bewältigungsstrategie zu entwickeln. Vor allem sollte man nicht nach dem "Alles-oder-Nichts-Prinzip" leben. Ist man offen für den neuen Lebensabschnitt, eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten. Zögern Sie hierbei nicht, diesen Punkt mit Ihrem Therapeuten zu besprechen.
Eine Sport- und Freizeitbeschäftigung kann im Wiederherstellungsprozess sehr sinnvoll sein. "Nichtstun" erhöht dagegen die Wahrscheinlichkeit, dass man ins Grübeln kommt oder dass negative Gedanken dominieren. Sport stärkt nicht nur den Körper, sondern auch das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl. Man fördert damit auch die Rehabilitation, den Weg zurück ins Leben.
Mithilfe geeigneter Therapeuten kann man lernen, die von der Lähmung betroffenen Gliedmaßnahmen neu zu aktivieren und einzusetzen. Das Training der Konzentration bewirkt auch eine Steigerung der Hirnleistung. Fitness ist nicht nur für Sportler und Nichtbetroffene nötig – nehmen Sie die Herausforderung Ihres neuen Lebensabschnittes an!
Erlauben Sie sich, ein Ziel vor Augen zu haben und lassen Sie zu, dass dieser Wunsch Wirklichkeit wird!
Mit den folgenden Ideen möchten wir Ihnen ein paar Anregungen geben:
- Selbsthilfegruppen
- Gymnastik
- Häusliches Übungsprogramm
- Segelfreizeiten
- Hochseefischen und Tauchen auf Teneriffa
- Golfen
- Angeln
- Reiten
- Skifahren
- Wassersport
- Tanzen
- Sonstige Sportarten
- Hörbücher
- Gehirntraining
- Hobbies
1. Selbsthilfegruppen
Der Kontakt und der Erfahrungsaustausch mit anderen Menschen, die das gleiche Schicksal haben, wirkt sich häufig positiv auf das Selbstwertgefühl aus. In dieser Gruppe bewegt man sich als Betroffener wieder in einer "Norm". Je nach Wunsch/Bedürfnis kann man die angebotenen Freizeitaktivitäten nutzen, Veranstaltungen eigenständig organisieren oder selbst eine neue Gruppe gründen. Hilfe hierbei erhält man von der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe. www.schlaganfall-hilfe.de
2. Gymnastik
Im Rahmen der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe gibt es ein gefördertes Sportprogramm, das inzwischen viele Selbsthilfegruppen vor Ort anbieten. Hier macht man unter Anleitung von qualifizierten Fachübungsleitern Gruppengymnastik. Durch den gemeinsamen Sport lernt man spielerisch mit seinen Handicaps umzugehen. Besonders wichtig ist der emotionale Gewinn, den man durch die regelmäßige Teilnahme erfährt. Termin und Ort von Sport-Schnuppertagen erfährt man bei der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe. www.schlaganfall-hilfe.de
3. Häusliches Übungsprogramm
Für die Rehabilitation ist es aus Therapeutensicht empfehlenswert, täglich zu trainieren. Dabei sollten Betroffene Übungen durchführen, die auf ihre speziellen Probleme zugeschnitten sind. Sein Programm macht den Betroffenen zeitlich und örtlich unabhängig. Wenn Sie Interesse an einem solchen Programm haben, nehmen Sie Kontakt mit unserer Praxis auf. Im Rahmen von "Back to Life II" erarbeiten Sie ein sinnvolles therapeutisches Training unter professioneller Leitung. Dabei können beispielsweise Videoaufnahmen, Audiokassetten oder auch andere Medien zum Einsatz kommen.
4. Segelfreizeiten
Die Schiffer-Gilde e.V. bietet Segelfreizeiten, inkl. Theorie und Praxis, am Bodensee, am Mittelmeer und an der Ostsee an. Im Sinne der Förderung des Integrationsgedankens finden diese Freizeiten mit behinderten und nichtbehinderten Menschen statt. Nähere Informationen findet man unter www.schiffer-gilde.de
5. Hochseefischen und Tauchen auf Teneriffa
Auch Rollstuhlfahrer können als passionierte Fischer jetzt auf hoher See ihrem Hobby frönen. Im Kurhotel Mary Sol wird zudem auch ein "Handicaped-Tauchen" angeboten, das schon Therapiecharakter haben kann. Näheres unter: www.marysol.de
6. Golfen
Seit 2001 wird das Pilotprojekt "Golf für Schlaganfall-Betroffene und Partner" in Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe durchgeführt. Unterstützt werden die kostenlosen Schnuppertage durch Sponsoren. Golf dient wie andere Sportarten der sozialen Integration und hilft bei der Rehabilitation. Interessenten für die Schnuppertage oder generell für das Projekt wenden sich bitte an: Uli Paetzel, Öffentliche Golfanlage Gut Clarenhof in Frechen bei Köln. www.konzept-golf.de und www.ppgolf.de.
7. Angeln
In Deutschland gibt es eine spezielle Interessenvertretung für Angler mit Behinderung. Im Handicap-Anglerverband (HAD), der von Roger Bach 1997 gegründet wurde, sind 3.000 Angler mit verschiedenen Behinderungen organisiert. Auf der Homepage des HAD kann man lesen:
"Angeln bedeutet für Menschen mit Handicap viel mehr als nur Fische aus dem Wasser zu ziehen! Angeln ist für Behinderte mit erheblichen Mobilitätseinschränkungen eine Integrationssportart, da hier jeder Bewegungsablauf eine sportliche Betätigung darstellt."
8. Reiten
Diese Sportart gibt es auch als Therapie. Man spricht dann von Hippotherapie und meint damit Physiotherapie, auf neurophysiologischer Grundlage, unter Nutzung des Pferdes als Medium. Unter Führung des Therapeuten wird dabei vornehmlich in der Gangart Schritt gearbeitet. Der therapeutische Effekt liegt in der Nutzung der dreidimensionalen Bewegungsimpulse, die über den Pferderücken auf das Becken des Patienten übertragen werden. Bevor man diese Therapie nutzt, sollte man sich mit den Kontraindikationen beschäftigen. Ob die Krankenkasse sie bezahlt, sollte man ebenfalls vorher prüfen. www.hippotherapie.de und www.hippotherapienetz.de - Bildmaterial von Dr.Matthias Rießland Feldenkrais®-Praxis




Ein Video zu dieser Bildstrecke können Sie sich hier ansehen.
9. Ski Alpin fahren
Bei einer entsprechenden therapeutischen Vorbehandlung ist auch diese Sportart im Einzelfall denkbar. Unsere Praxis empfiehlt interessierten Patienten den physiotherapeutisch ausgebildeten Skilehrer Gustav Thöni in Sulden, Südtirol www.suedtiroler-skischule.it (Vgl. Patientenberichte: Video von Valesca)
10. Wassersport
Sich im Wasser zu bewegen, verschafft eine neue Form der Leichtigkeit. Der beeinträchtige Körper wird im Wasser stabilisiert und durch Auftriebshilfen (Schwimmnudeln, Hüftgurte, Schwimmflügel) in eine sicher Position gebracht. Die noch intakten Muskelpartien werden zu einer neuen Zusammenarbeit mit den betroffenen Muskelgruppen animiert. Mithilfe eines Therapeuten, oder auch alleine, werden diverse Sportarten im Wasser: z.B. Aquajogging, Schwimmen (therapeutisches Schwimmen nach McMillan oder Bad Ragazer Ringmethode), sowie auch Rudern ausgeübt. http://www.aventis.de/patienten/




Bildstrecke: Herr Mink - Rudern nach einem Schlaganfall.
11. Tanzen
Tanzveranstaltungen für Schlaganfall-Betroffene und Angehörige. Ausführliche Informationen und Bilder unter Aktuelles.
12. Sonstige Sportarten
Da die Ausübung eines Sports von der Persönlichkeit des Betroffenen und dessen Handicaps abhängig ist, sollte man im individuellen Fall prüfen, welche Sportart geeignet ist. Mobil sein, ist ein Wunsch, den viele Schlaganfall-Patienten äußern. Hierfür stehen inzwischen auch schon vielfältige Geräte zur Verfügung, wie das Dreirad, ein Elektrofahrzeug oder die moderne Form eines Rollstuhls, ein Quad. Gerne stehen wir interessierten Patienten mit Rat und Tat zur Verfügung, vereinbaren Sie einen Termin!
13. Hörbücher
Wenn Leseratten durch einen Schlaganfall das Buch nicht mehr richtig halten können, sollten Sie nicht verzweifeln. Inzwischen gibt es eine umfangreiche Hörbuchedition. Hinter dieser Form stand die Idee, Literatur auch für Blinde wieder erfahrbar zu machen. Informieren Sie sich hier über das Angebot:
14. Gehirntraining
Durch das Gehirntraining gilt es, die vorhandenen Gehirnzellen zu aktivieren, für neu zu erlernende Bewegungen zu nutzen und auszubauen. Man kann den Heilungsprozess fördern, indem man das Gehirn trainiert. Permanente Reize sind förderlich und lösen Lernprozesse aus und das Wachstum von neuen Gehirnzellen. Die tägliche Gymnastik der grauen Zellen fördert die geistige Beweglichkeit. Dabei reichen täglich schon 10 Minuten.
Man wird heute leicht verunsichert, wenn man das große Angebot in diesem Bereich betrachtet. Man unterscheidet hierbei jedoch wesentlichen nur zwei Methoden: Die (einzige) evaluierte kognitive Methode von Dr. Franziska Stengel ist für das Gedächtnistraining empfehlenswert. Übungen, bei denen man sich an Zahlenreihen und Zeichen orientiert und so das Gehirn "drillt" nennt man "Gehirnjogging".
Die eine Methode schließt die andere nicht aus, sie ergänzen sich vielmehr. Jeder Interessierte sollten sich von Experten dabei helfen lassen festzustellen, welche Methode individuell jeweils geeignet ist. Im Internet findet man kostenlose Gehirnjoggingübungen (www.trainart.de) und weiterführende Informationen:
15. Hobbies
Mit einem Arm sticken, malen, Karten spielen, musizieren - Vieles ist möglich. Gute Tipps bekommt man in den Schlaganfallselbsthilfegruppen.
Abschließende Bemerkungen
Eine Sport- und Freizeitbeschäftigung kann im Wiederherstellungsprozess sehr sinnvoll sein. "Nichtstun" erhöht dagegen die Wahrscheinlichkeit, dass man ins Grübeln kommt oder dass negative Gedanken dominieren. Sport stärkt nicht nur den Körper, sondern auch das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl. Man fördert damit auch die Rehabilitation, den Weg zurück ins Leben. Mit Hilfe von geeigneten Therapeuten kann man lernen, die von der Lähmung betroffenen Gliedmaßnahmen neu zu aktivieren und einzusetzen. Die Konzentration wird trainiert und damit tut man auch etwas für die Steigerung der Hirnleistung. Das Wort "Fitness" gilt nicht nur für Sportler und Nicht-betroffene. Nehmen Sie Ihre eigene Herausforderung an. Haben Sie ein Ziel vor Augen. Erlauben Sie es, dass es Wirklichkeit wird.










