Therapie/Behandlung
Häusliche / ambulante Rehabilitation
Bei der häuslichen Rehabilitation handelt es sich um eine wichtige Form der persönlichen Integration des neurologischen Patienten. Die Therapieumsetzung findet direkt in der Geborgenheit des persönlichen Umfeldes, im Alltagsleben statt. Das bedeutet für Betroffene ein Gefühl von zu Hause, Entspannung und Sicherheit. Damit ist die ideale Grundlage zur Regeneration geschaffen.
Ihre Vorteile
- Mehr Sicherheit und Wohlgefühl durch ihre häusliche Umgebung
- Mehr Bewegungsmöglichkeiten innerhalb und außerhalb der Wohnung
- Mehr Unabhängigkeit im Alltagsgeschehen
- Mehr Zufriedenheit und Harmonie innerhalb der Familie
- Mehr Selbstständigkeit und Selbstwertgefühl
- Mehr Lebensenergie, Kraft, Ausdauer und Lebensmut
"Endlich wieder zu Hause, zwei Monate Reha-Klinik sind genug.", So oder ähnlich ist die Reaktion der Schlaganfall-Patienten nach dem Klinikaufenthalt. Der Wunsch, wieder in den eigenen vier Wänden zu sein, ist endlich in Erfüllung gegangen. Doch die Realität holt die Betroffenen und Angehörigen schnell ein. Oft bleiben von der täglichen "Rund-um-die-Uhr-Therapie" in der klinischen Reha nur noch zwei- bis dreimal 20 bis 30 Minuten übrig. Die berechtigte Frage lautet: Reicht das aus, um die gerade begonnene Wiederherstellung zu forcieren ?
Da der Gesetzgeber vorschreibt, nur das absolut Notwendige bei Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit zu zahlen, ist guter Rat teuer. Ärzte und Therapeuten sind diesen Restriktionen unterworfen, obwohl die Schwere der Krankheit einen deutlichen Mehraufwand erforderlich macht. Wie kann man darauf reagieren? Ein Leben lang die Einschränkungen mit all seinen Konsequenzen akzeptieren? Das muss nicht sein! Die Realität muss akzeptiert werden, aber man sollte nicht resignieren. Wir betrachten dieses Problem lieber als Herausforderung und streben optimale Ergebnisse an.
Dass sich eine frühe Entlassung aus der Klinik für bestimmte Schlaganfall-Patienten lohnt wurde in einer internationalen Studie nachgewiesen: Peter Langhorne vom Royal Infirmary Krankenhaus Glasgow, Schottland und sein internationales Forscherteam untersuchten in einer Metaanalyse randomisierte kontrollierte Studien die die frühzeitige Patientenentlassung aus dem Krankenhaus in eine ambulante Rehabilitation mit einem konventionellen Aufenthalt verglichen. Die verglichenen Parameter: Selbstständigkeit, Wohnort, Aktivitäten des täglichen Lebens, subjektiver Gesundheitsstatus, Depressionen und Sterberisiko; zusätzlich die Zufriedenheit von Patienten, Betreuenden und Pflegenden. Wurden die Patienten frühzeitig entlassen, sind sie anschließend meist von einem spezialisierten multidisziplinären Team betreut worden, was sich auf den Therapieerfolg positiv auswirkte. Bei diesen Patienten verringerte sich das Sterberisiko, zudem vergrößerte sich bei den frühzeitig entlassenen Patienten Selbstständigkeit und subjektive Zufriedenheit. Den größten Nutzen von der frühzeitigen Entlassung hatten Patienten, die nach einem Schlaganfall moderate Schädigungen hatten. (Aus: Physiopraxis 1/06 Lancet 2005; 365: 501–506)


Bobath-Konzept
Grundlage unserer häuslichen und ambulanten Behandlungen ist die Physiotherapie nach dem Bobath-Konzept. Fokus dieser Behandlung ist die Aktivierung des von neurologischen Beeinträchtigungen betroffenen Körperteils unter Zuhilfenahme der Restfunktion. Ein weiterer zentraler Aspekt der Bobath-Behandlung ist die positive Aktivierung des Patienten, die ihm das nötige Maß an Mut und Selbstvertrauen vermitteln, um den nächsten Therapieschritt zu gehen. Die Bobath-Therapie ist eine der wichtigsten weltweit angewandten Behandlungen nach Schlaganfällen.
Dass die Therapiemethode der Bobaths zu guten Erfolgen führt, liegt unter anderem daran, dass das Gehirn über ein enormes Selbstheilungspotential (Plastizität) verfügt. Unter günstigen Stoffwechselbedingungen finden auf neurologischer Ebene lebenslang Um- und Aufbauprozesse statt, die sich der Patient bei der Rehabilitation betroffener Funktionen nach dem Bobath-Konzept zunutze machen kann. In Sinne dieser Möglichkeiten empfiehlt es sich, mit der Behandlung so früh wie irgend möglich zu beginnen.
Statt einfache Bewegungen ständig zu wiederholen, hilft der Therapeut komplexe Bewegungsabläufe auf der Basis einer Alltagshandlung zu vermitteln.
Das Bobath-Konzept in Stichpunkten:
- Spezielle Form der Physiotherapie bei neurologischen Erkrankungen
- Seit mehr als 65 Jahren praktische Anwendung und Erfahrung
- Individuell auf die zu behandelnde Person und deren Ziele abgestimmte Therapie (Einsatz therapieorientierter Alltagshandlungen)
- Konsequente Anpassung an neue wissenschaftliche Erkenntnisse
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit aller an der Rehabilitation beteiligten Berufsgruppen (24-Stunden-Konzept)
- Einbeziehung und Beratung der Angehörigen
Die Ziele der Bobath-Behandlung in Stichpunkten:
- Steigerung der Lebensqualität durch Verbesserung der Bewegungssabläufe
- Reaktivierung verlorengegangener Körperfunktionen
- Reintegration in ein selbstbestimmtes Leben
- Förderung der Selbständigkeit im Alltag
- Vermeidung von Folgeschäden (Wundliegen, Steifwerden der Gelenke, Thrombose, Schulterschmerzen)
Back-to-Life-Programm
"Back to Life" ist ein neues Intensiv-Konzept zur integrativen Therapie von Schlaganfall-Patienten nach der klinischen Rehabilitation. Das Programm gliedert sich in drei Stufen. Erstmals wird hier das Qualitätsniveau einer mobilen, ambulanten Schlaganfallbehandlung standardisiert, mit dem Ziel, die Therapie auf hohem qualitativen und quantitativen Niveau durchzuführen. Grundlage dieser Therapie ist das Bobath-Konzept.
Back to Life I - Intensiv
- Intensiv-Therapie im Hause des Patienten
- 7 bis 9 Monate, 100 bis 120 Therapiestunden insgesamt
Die Therapie erfolgt dort, wo sich der Patient wohl fühlt und wo individuelle Bedürfnisse Bestandteil der Therapie werden können: zu Hause. Wie wichtig die Umgebung für den Therapieerfolg der Rehabilitation ist, wurde in neurologischen Studien nachgewiesen. Dabei spielen nicht nur die Präsenz der Angehörigen, sondern auch die Wirkung angenehmer/vertrauter Geräusche und Gerüche sowie die Ernährungsbedingungen eine Rolle.
Die Therapie im eigenen Wohnbereich schafft für die Patienten oft Geborgenheit, das Resultat ist Wohlbefinden, Entspannung und Sicherheit. Die neu in der Behandlung erlernten Bewegungen werden sofort im alltäglichen oder häuslichen Umfeld umgesetzt. Damit wird ein bedeutendes Maß an persönlichen Integration erreicht und der Alltag wird zur Therapie.
Back to Life II - Kompakt
- Kompakt-Therapie im Perzeptionshaus Hainburg
- 4 Tage zu je 4 Stunden, 16 Therapiestunden insgesamt
Diese Therapie ist dann möglich, wenn der Patient in der Lage ist, seinen Wohnort zu verlassen. Der Aktivitätsradius des Betroffenen wird vergrößert, neuen Herausforderungen und Reizen kann nun begegnet werden.
Back to Life II ist besonders als Kompaktmaßnahme für Langzeitbetroffene geeignet, um funktionelle Fähigkeiten zu verbessern (siehe Patientenberichte) oder um bereits entstandene Beschwerden zu beseitigen.
Die hohe Intensität wird durch die lange tägliche Behandlungszeit gewährleistet. Die vier Stunden können individuell über den Tag verteilt werden. Durch diesen ständigen Informationsfluss erfährt das Gehirn über vier Tage hinweg ein „Feuerwerk“ an Reizen und kann damit sein Regenerationspotential entfalten.
Back to Life III - Intervall
- Intervall-Therapie im Perzeptionshaus/im Hause des Patienten
- 3 bis 6 Monate, 16 Therapiestunden insgesamt
Ziel dieser Behandlung ist es, bereits Erreichtes nachhaltig zu festigen und Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Die Therapie findet ambulant sowie in der häuslichen Umgebung statt.











