Siegreiche Schlaganfall-Veranstaltung

Siegreiche Schlaganfall-VeranstaltungIm Perzeptionshaus, dem ambulanten Reha-Zentrum für Schlaganfall-Patienten gab es am Donnerstag, den 27.8.2009 bei der Veranstaltung „Kampf gegen den Schlaganfall“ zu Gunsten der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, nur Gewinner und viele strahlende Gesichter.

Der fachliche Leiter und Physiotherapeut Helmut Gruhn hatte zu dieser Mut machenden Veranstaltung ins Perzeptionshaus eingeladen, und über 100 Menschen kamen!

Schlaganfall-Betroffene und Angehörige mussten bei großer Hitze eng zusammen rücken, um dabei zu sein. Ebenso mit von der Partie war ein Fernseh-Team von Rhein-Main-TV.

Der Ringer-Champion Alexander Leipold, Dr. Rolf Dingler und Uwe Karrer waren als Schlaganfall-Betroffene im Namen aller Anwesenden angetreten.

Bevor die drei Herausforderer, allesamt Schlaganfall-Betroffene, von ihrem Weg zurück ins Leben berichten konnten, stellte Helmut Gruhn den großen, übermächtigen und fast unbezwingbaren Gegner – „Schlaganfall“ – vor. Er berichtete, dass er in seiner 46 jährigen beruflichen Tätigkeit keiner komplexeren Krankheit wie dem Schlaganfall begegnet ist und sich ihm seit 20 Jahren fast ausschließlich widmet. Sie kommt wie ein Blitz aus heiterem Himmel und nimmt keine Rücksicht auf Geschlecht, Alter, Beruf oder sozialen Status. Keine Krankheit ist so hinterhältig, gemein und brutal und fügt den Betroffenen und seinen Angehörigen ein unermessliches Leid zu, so Helmut Gruhn!

Von den 200.000 jährlich in Deutschland betroffenen Menschen sterben 20 % schon in den ersten 4 Wochen und nach einem Jahr sind lt. Statistik mehr als 40 % verstorben.Von den nun noch Überlebenden bleiben mehr als 50 % mit bleibenden sichtbaren Lähmungen zurück und sind auf fremde Hilfe angewiesen. Viele von ihnen verlieren nicht nur Ihre Selbstständigkeit, Mobilität, Beruf, Ausübung ihrer Hobbys, sondern auch Bekannte und Freunde und isolieren sich immer mehr.

Spätestens jetzt wurde bewusst, wie wichtig es ist, Mut machende Veranstaltungen für diese schwerstbetroffenen Menschen durchzuführen.


Video von Rhein-Main-TV zur Veranstaltung. Moderatorin Katharina Wagner im Gespräch mit Helmut Gruhn.

Jetzt konnte die 1. Runde mit Herrn Dr. Rolf Dingler, der seinen Schlaganfall vor 8 Jahren hatte, beginnen. Er sprach davon, wie viel Kraft und Energie erforderlich ist um im Kampf gegen den Schlaganfall zu bestehen. Seine Devise lautet, so schnell wie möglich den Hebel auf „Gute Gefühle“ umzulegen und ein Selbsthilfeprogramm zu entwickeln. Dabei hat es ihm sehr geholfen, in einem Tagebuch der Genesung die kleinen und großen Therapiefortschritte zu dokumentieren. Heute, neun Jahre danach, ist er trotz deutlich sichtbarer Behinderungen wieder fähig, beruflich und politisch tätig zu sein, Vorträge zu halten und mit dem Auto wieder selbst in den Urlaub zu fahren. Ein gelungenes Comeback zurück ins Leben!

Der zweite Herausforderer war Uwe Karrer, der seinen Schlaganfall mit 31 Jahren hatte und der, über die bestehenden Lähmungen in Armen und Beinen hinaus, noch immer unter starken Sprechblockaden leidet. Was ihn aber keinesfalls hinderte, mit wenig Worten viel zu sagen. Er zeigte den begeisterten Zuschauern ein brillantes Feuerwerk von gymnastischen Übungen aus seinem häuslichen, täglich bis zu drei Stunden dauernden Programm. Dafür bekam er immer wieder Szenen-Applaus. Zum Schluß macht er die La-Ola-Welle, dabei „sprach“ sein strahlendes Gesicht und seine glänzenden Augen mehr als tausend Worte. Jetzt sagte er sein Motto: Üben, üben, üben !!! Standing Ovations !!!

Als Höhepunkt der Veranstaltung betrat nun der mehrfache Welt- und Europameister im Ringen Alexander Leipold die Matte. Er berichtete sehr eindrucksvoll wie er es schaffte, nach drei Schlaganfällen ein Jahr später wieder Weltmeister zu werden.

Seine Botschaft lautet:
„Niemals aufgeben. Egal wo man ist. Egal was man tut. Auf der Matte, im Beruf, im Umgang mit den Schicksalsschlägen des Lebens z.B. einem Schlaganfall. Man muß daran glauben, dass man etwas tun kann, um da wieder herauszukommen. Alle Chancen der Rehabilitation nutzen. Diese Angebote sind extrem wichtig für eine Rückkehr ins normale Leben. Leider bekommen nur die Hälfte aller Patienten Reha-Maßnahmen. Ich habe einfach alles mitgemacht, was möglich war, und jeden Erfolg fein säuberlich aufgeschrieben. Ja, sogar Körbe geflochten. Ein Spitzensportler, Welt – und Europameister, Olympiasieger zwischen älteren Damen, die aussehen wie ein Sonntags-Kaffeekränzchen bei der Heimarbeit. Fehlte nur noch, dass gesungen wird. Wenn’s hilft, warum nicht Körbe flechten? Und dass es geholfen hat, weiß ich heute ganz genau! Ganz wichtig bleibt zu erwähnen, dass meine Familie mir den größten Rückhalt dabei gegeben hat um heute da zu sein, wo ich mit großer Dankbarkeit bin! Wenn ich heute das Lied von den German Tenors „Glaub an dich“, dass sie mir gewidmet haben, höre, bekomme ich immer noch Gänsehaut“, sagte Leipold…

Glaub` an dich, glaub` an die Ziele
Für die du stehst, die du fest in dir trägst
Lass dich führen durch dein Leben
Gib nie auf und schau nur nach vorn!
Was auch kommt, du wirst Sieger sein!

Mit diesem Musikvideo ging diese gelungene Veranstaltung langsam dem Ende zu.

Helmut Gruhn bedankte sich bei den Besuchern und den drei Herausforderern für ihr Engagement und überreichte dem Botschafter der Deutschen Schlaganfallhilfe Alexander Leipold einen Scheck über € 500,– für die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Somit gab es nur Gewinner und keine Verlierer auf dem Weg zurück ins Leben

„Back to Life“! Genauso heißt auch das Intensiv – Reha – Programm, das im Perzeptionshaus für Schlaganfall Patienten angeboten wird. Die Grundlage gibt das Bobath-Konzept, eine der ältesten Methoden, die in der Welt am meisten in der neurologischen Therapie angewandt wird. Infos dazu gibt es unter Kontakt